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PCO Syndrom – Symptome, Behandlung und Kinderwunsch

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Von Teresa / 17. September 2018
Trotz PCO schwanger werden

Als ich vor 7 Jahren die Pille abgesetzt habe, blieb meine Periode aus. Erstmal ist das ja auch gar nicht ungewöhnlich, denn der Körper braucht Zeit, um den Hormonhaushalt wieder auf natürliche Weise zu regulieren – häufig wird ein Zeitraum von 3 Monaten genannt.  Als aber nach einem Jahr immer noch immer keine Menstruation eingetreten ist, hatte meine Frauenärztin das PCO Syndrom – kurz PCOS – in Verdacht. Es folgten Untersuchungen und die Empfehlung, wieder die Anti-Baby-Pille zu nehmen, doch das war für mich keine Option. “Ich pumpe mich nicht wieder mit Hormonen voll!” Doch wirkliche Alternativen wurden mir erstmal nicht genannt und überhaupt fand ich kaum eine richtige Aufklärung. Also ging ich auf die Suche und auch zu anderen Ärzten.

Ich wollte zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger werden, aber eine der wenigen Konstanten in meinem Leben ist der Wunsch, Mama zu werden. Ich wollte daher wissen, ob das mit PCO möglich ist und überhaupt, muss es doch noch einen anderen Weg geben, als die Pille zu nehmen. 

Ich habe gelernt, dass das PCOS komplex ist und viele Facetten hat, dass einiges noch nicht ausreichend erforscht oder belegt ist, aber es Punkte gibt, die auf viele betroffene Frauen zutreffen und es durchaus Möglichkeiten gibt, selbst etwas zu tun.

Die Erkrankung tritt übrigens bei ungefähr 5-10% der geschlechtsreifen Frauen auf, typischerweise zwischen dem 15 und 25 Lebensjahr. [1]

Obwohl so viele Frauen davon betroffen sind, habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele gar nicht wissen, dass es diese Erkrankung gibt und was es damit überhaupt auf sich hat.

PCO Syndrom – Was ist das?

Die drei Buchstaben PCO stehen für Polyzystische Ovarien. PCOS steht also für Polyzystische Ovarsyndrom und ist die Abkürzung von der englischen Bezeichnung “polycystic ovary syndrome”. Ovarien sind die Eierstöcke und polyzystisch bedeutet “mehrere Zysten enthaltend”. Bei einer Ultraschall-Untersuchung zeigen die Eierstöcke auffallend viele kleine Eibläschen (Follikel). Die Follikel enthalten winzig kleine, noch unreife Eizellen, die sich unter Hormoneinwirkung zu einer reifen Eizelle entwickeln würden. Beim PCOS ist das Hormonlevel jedoch in Inbalance und nicht ausreichend, damit ein Ei heranreifen kann bzw. behindert der Überschuss an männlichen Hormonen das Heranreifen der Eizelle. Die Follikel entwickeln sich nicht und lösen sich daher auch nicht ab, sondern bleiben als Bläschen am Eierstock zurück.

Bei einigen Frauen verursacht es keine Beschwerden, bei anderen allerdings treten verschiedene Symptome auf. Bei einer Kombination von Symptomen spricht man dann vom PCOS. Es ist also möglich, dass eine Frau polyzystische Ovarien hat, jedoch kein PCO-Syndrom besteht. Umgekehrt gibt es auch Frauen mit PCOS, bei denen sich im Ultraschall keine polyzystischen Ovarien zeigen.

Das Problem bei Kinderwunsch: Der Eisprung findet nur selten oder gar nicht statt und ohne Eisprung gibt es keine reife Eizelle, die befruchtet werden kann. Frauen mit PCO-Syndrom haben deswegen große Probleme schwanger zu werden.

PCOS Symptome und Diagnose

Der Frauenarzt stellt die Diagnose durch eine Ultraschalluntersuchung und Klärung der Symptome. Beim Ultraschall lassen sich in den Eierstöcken (=Ovarien) viele kleine Bläschen, also Zysten erkennen. Durch eine Blutuntersuchung kann zudem eine Erhöhung der männlichen Hormone (wie der sog. Androgenen)  festgestellt werden.

Daneben kann eine Kombination unterschiedlicher Symptome auftreten:

körperliche Symptome

  • Übergewicht
  • starke Körperbehaarung
  • Oberlippenbart
  • Haarausfall
  • fettige Haut
  • Akne

emotionale, psychische Symptome

  • Depressionen
  • Insulinresistenz
  • geringe Belastbarkeit
  • Schlafstörungen

Für manche Frauen ist es, als hätten sie PMS. Nur, dass diese eben nicht vor der Menstruation auftritt, sondern permanent

Es ist zu empfehlen, ebenfalls die Schilddrüsenwerte zu untersuchen, denn eine Unter- oder ggf. auch Überfunktion könnte die Ursache von Problemen sein, die dem PCOS sehr ähnlich und Ursache für Zyklusstörungen sind. Frauen mit PCO-Syndrom haben überdurchschnittlich häufig eine eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse, eine sogenannte latente Hypothyreose. In einem solchen Fall muss natürlich die Schilddrüsenunterfunktion behandelt werden, aber auch beim PCO-Syndrom ist es wichtig, dass die Hormone der Schilddrüse sich im Gleichgewicht befinden.

Ursachen für PCOS

Die Ursachen für PCO sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen ausgegangen. Klar ist auch, dass sich in der Entwicklung des PCOS mehrere hormonelle Störungen gegenseitig bedingen und verstärken. Es kommt zu einer gesteigerten männlichen Hormonbildung (sowohl in den Eierstöcken, als auch in den Nebennieren)

Auch Übergewicht spielt eine Rolle und oftmals besteht ein Zusammenhang mit Diabetes Typ 2 bzw. einer Insulinresistenz. Letztere führt kompensatorisch zu einer vermehrten Insulinfreisetzung des Körpers. Das begünstigt einerseits Übergewicht und steigert andererseits die Produktion von männlichen Hormonen. Insulin hemmt zudem die Bildung des für die Minderung der männlichen Hormonspiegel wichtigen Bindungsproteins SHGB in der Leber. Ein Teufelskreis also, bei dem oftmals nicht klar ist, was zuerst da war: die Henne oder das Ei. Das betrifft zum Beispiel auch den Zusammenhang von einer Schilddrüsenunterfunktion und Autoimmun-Schilddrüsenerkrankungen mit dem PCOS.

Unfruchtbar durch PCO-Syndrom?

Hormonell bedingte Störungen der Eierstöcke, wie beim PCOS, können zwar dazu führen, dass der Eisprung ausbleibt und somit auch erstmal keine Befruchtung möglich ist, aber wichtig zu verstehen ist hierbei, dass das Vorliegen des PCO Syndroms nicht gleichbedeutend mit Unfruchtbarkeit ist.

Findet der Eisprung unregelmäßig und seltener statt, sind auch die Chancen für eine Schwangerschaft geringer bzw. dauert es möglicherweise einfach länger. Bei vielen Frauen ist jedoch keine spontane Schwangerschaft möglich und bei völligem Ausbleiben des Eisprungs ist eine Behandlung notwendig, um diesen durch externe Hilfe auszulösen. Das Ausbleiben des Eisprungs wird in der Medizin übrigens als Anovulation bezeichnet.

In den letzten Jahren ist das Verständnis für das PCO-Syndrom gewachsen und inzwischen sind die Fruchtbarkeitsprobleme gut behandelbar.

PCO Behandlung bei Kinderwunsch

Die Behandlung wird individuell auf die Symptome abgestimmt und hängt auch davon ab, ob zu dieser Zeit ein Kinderwunsch vorliegt. Der behandelnde Arzt schaut also:

  • Welche Symptome treten auf?
  • Besteht ein Kinderwunsch?

Empfehlenswert ist, sich an einen Frauenarzt / eine Frauenärztin zu wenden, die auf Hormonerkrankungen spezialisiert ist (Fachgebiet „Gynäkologische Endokrinologie“).

Bei Kinderwunsch ist das zentrale Problem ja der fehlende Eisprung. Zur Unterstützung und Herbeiführen der Eizellreifung kommen mehrere Substanzen in Frage, wie Clomifen, Gonadotropine und Aromatase-Hemmer.

Gut zu wissen: Gonadotropinen bestehen aus körpereigenen Botenstoffen und führt im Vergleich zu Clomifen zu einer höheren Rate von Schwangerschaften und Lebendgeburten.

Zudem kommt es auch auf die geeignete Stimulationsdosis an, daher ist eine Hormonanalyse wichtig.  Zu niedrig dosiert, kommt es nicht zur Follikelreifung. Bei einer zu hohen Dosierung reifen zu viele Eizellen zeitgleich heran, dann kann es sein, dass die In-vitro-Fertilisation (IVF) die geeignete Behandlungsform ist.

Ist eine Frau zusätzlich übergewichtig und insulinresistent, gehören eine Ernährungsumstellung, Bewegung und möglicherweise die medikamentöse Unterstützung durch Myo-inositol oder Metformin zur Verbesserung der Insulinresistenz zum Programm.

Eine Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreosen) muss in jedem Fall erfolgen. Schwangere Frauen mit einer unbehandelten Unterfunktion der Schilddrüse haben nachweislich eine erhöhte Abortrate und zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung beim Neugeborenen.

Du kannst die Chancen schwanger zu werden erhöhen

und zwar, in dem du

  • dich gesund und ausgewogen ernährst
  • bei Übergewicht auf gesunde und nachhaltige Weise das Körpergewicht reduzierst ( schon 5-10% Gewichtsverlust sollen die Chancen auf eine Schwangerschaft signifikant erhöhen)
  • dich ausreichend bewegst und sportlich betätigst
  • deinen Eisprung durch Zyklusmonitoring bestimmst und
  •  in der Zeit, in der deine Fruchtbarkeit und die Chance schwanger zu werden erhöht ist, dann eben auch Sex hast und die Eizelle befruchtet werden kann.

Abnehmen beim PCO-Syndrom

Das ein gesundes Gewicht bei Vorbeugung und Behandlung von PCOS hilft, ist inzwischen bekannt. Zwar sind die Ursachen des PCO-Syndroms nicht eindeutig geklärt und so können sie bis heute auch nicht wirksam und gezielt vorgebeugt werden, jedoch besteht ein Zusammenhang mit Übergewicht und das wiederum kann durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung vorgebeugt werden.

Liegt das PCO-Syndrom vor, spielt die Gewichtsreduktion bei Übergewicht also eine wichtige Rolle, um einen gestörten Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Bei der richtigen Ernährung kann z.B. ein Ernährungsberater helfen. Einigen Nahrungsergänzungsmittel wird ebenfalls Bedeutung zugeschrieben, dass sie die Fruchtbarkeit (bei bestehendem PCOS) positiv beeinflussen sollen. Ausreichend Bewegung und Sport spielt neben der Ernährung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Zyklusmonitoring bei Kinderwunsch

Der Zyklus einer Frau ist ein komplexes und fein abgestimmtes System, indem der natürliche Hormoncocktail passen muss, damit ein Ei heranreifen kann. Wie bereits erwähnt ist das ja genau der Knackpunkt bei PCOS.

Ganz typisch ist, dass das sogenannte LH Wert (Luteinisierendes Hormon) dauerhaft erhöht und das FSH (Follikelstimulierendes Hormon) zu niedrig ist. Die Ovulationstests messen den LH Wert im Urin und sind daher bei PCOS nicht zuverlässig. Es gibt aber andere Möglichkeiten, um den Eisprung herauszufinden. Eine davon ist die Beobachtung nach der NFP-Methode mit Messung der Basaltemperatur sowie Auswertung weiterer Anzeichen.

Oftmals wird auch ein Zyklusmonitoring durch einen Arzt / Ärztin durchgeführt. Dabei wird das Eibläschenwachstum und der Zeitpunkt des Eisprungs durch mehrere Untersuchungen ermittelt. Zum Zyklusmonitoring gehören Hormonbestimmungen und Ultraschalluntersuchungen zur Überwachung der Follikelreifung.

Warum ist das sinnvoll?

Kurz gesagt, kann dadurch das Warten auf den Nachwuchs deutlich kürzer ausfallen bzw. die Chancen auf eine Befruchtung erhöht werden. Wenn du weißt, wann der Eisprung stattfindet, kannst du das Zeitfenster der Fruchtbarkeit nutzen, um dafür zu sorgen, dass auch genügend Spermien parat stehen, von der dann im Besten Fall eine zum Erfolg kommt und sich daraufhin die befruchtete Eizelle einnistet.

Alternative Behandlungen

Für mich hat sich damals wie heute eine künstliche Hormonbehandlung nicht nach dem idealen Weg weg angefühlt und ich glaubte an eine natürliche Alternative zur Pille. Beim Kinderwunsch ist die Vorgehensweise eine andere als ohne, aber in beiden Fällen gibt es durchaus Möglichkeiten. Inwieweit diese erfolgversprechend sind ist allerdings nicht gesichert – auch, was das Vermeiden von langfristigen Schäden durch das PCO-Syndrom betrifft. Daher ist es wichtig, sich individuell und umfassend zu informieren, beraten zu lassen und gut abzuwägen. Zur Symptomverminderung können komplementäre Behandlungsmöglichkeiten als ergänzende Therapie aber auf jeden Fall unterstützend wirken.

Möglich ist zum Beispiel die Behandlung mit Heilkräutern zur Unterstützung der Fruchtbarkeit, wie die Alchemilla Urtinktur, die sowohl in der westlichen als auch aus der chinesischen Naturheilkunde angewandt wird und die die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden erhöhen soll. Aber auch Akupunktur und die sogenannte Fruchtbarkeitsmassage gehören zu alternativen und ergänzenden Behandlungsstrategien bei PCOS.

Spezialisierte Ärzte, Heilpraktiker und Co. können weiterhelfen und beratend zur Seite stehen.

Mögliche Risiken bei einer Schwangerschaft mit PCOS

Es ist zwar grundsätzlich möglich, dass das PCO-Syndrom keine Komplikationen verursacht, doch lässt es sich auch nicht völlig ausschließen. Frauen mit Insulinresistenz beispielsweise neigen vermehrt zu einem Schwangerschaftsdiabetes und Gestose. Ärztliche Begleitung und regelmäßige Kontrollen sind also notwendig – auch um zu verhindern, dass das Baby durch das PCOS Schaden nimmt oder es zu anderen Komplikationen kommt, die eine Gefahr für Mutter und Kind darstellen. Welche Maßnahmen getroffen werden müssen, ist  individuell zu klären und kann nicht verallgemeinert werden. Hauptfaktoren sind meist die sorgfältige Einstellung und Beobachtung des Zuckerhaushaltes, eine entsprechende Ernährung und gesunder Lebensstil. Die Untersuchungen auf Schwangerschaftsdiabetes oder regelmäßige Blutzuckerüberwachung sollten wenn möglich früher als normalerweise üblich durchgeführt werden. Zudem sollte die Schilddrüsenfunktion überwacht werden.

Wichtig ist einfach, dass eine gute Beratung, Begleitung und Unterstützung gegeben ist – sowohl in der Schwangerschaft, als auch schon vorab bei Kinderwunsch und der Behandlung von PCOS. Wenn du nicht das Gefühl hast und dich in guten Händen fühlst, dann scheue dich nicht, weiter nach Hilfe zu suchen und dir z.B. auch eine zweite ärztliche Meinung einzuholen oder dich bei anderen Anlaufstellen zu informieren. Diese können zum Beispiel Kinderwunschzentren oder die Beratungsstelle der PCOS Selbsthilfe sein, aber auch Selbsthilfegruppen vor Ort, Heilpraktiker oder auf Hormonerkrankungen spezialisierte (Frauen-)Ärzte sein.

[1] Quelle: PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V.

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