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Tipps für werdende Väter

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Tipps für dich als Vater bei der Geburt

Lieber (bald-schon-)Papa,

meistens schreibe ich ja für und an Mütter, aber heute geht es mal an und um dich, denn ihr spielt eine unglaublich wichtige Rolle für das Baby, steht aber vor einer ganz anderen Herausforderungen als die werdende Mama – während diese in den Wehen liegt zum Beispiel. Wo wir auch schon beim Kernthema von diesem Artikel wären: die Geburt und eure, unfassbar wichtige, wertvolle, bereichernde, kraftvolle Unterstützung.

Die gebärende Mama leistet Übermenschliches und dafür gebührt ihr voller Respekt. Diese übermenschliche Leistung macht es aber manchmal auch echt schwer für den werdenden Papa. Schweißgebadet steht er daneben, muss ertragen, dass die von ihm geliebte Frau unter Schmerzen ihr gemeinsames kleines Wunder zur Welt bringt, möchte helfen und weiß vielleicht nicht wie, … doch letzteres können wir ändern. Hier bekommst du ein paar Tipps an die Hand, mit denen du dich bestimmt weniger hilflos fühlen wirst und deine Liebste unterstützen kannst.

Vorbereiten, informieren, lernen

Vorab informieren, lernen, Fragen klären, damit du bei der Geburt alles Wissen hast, das du brauchst um a) dich gut und sicher zu fühlen (und das dann auch auf deine Partnerin ausstrahlen kannst) und b) um die Mama-to-be bestmöglichst unterstützen zu können. Informieren heißt nicht nur, die nächsten Punkte zu lesen, sondern auch tiefer einzutauchen in den Geburtsprozess: Was sind die einzelnen Phasen der Geburt? Was geschieht dabei und vor allem, was geschieht mit meiner Partnerin? Wie lassen sich Wehenschmerzen wirksam lindern? Welche Geburtspositionen gibt es und welche können wann unterstützen helfen (Schwerkraft und so)? … Am besten informierst und besprichst du das ganze gemeinsam mit deiner Partnerin. Dann lernst du auch gleich ihre Bedürfnisse, Wünsche und Unsicherheiten besser kennen.

Ebenfalls vorher (nicht das “Vorher”, wenn die Wehen schon einsetzen, ich meine Wochen vorher) besprechen solltet ihr auch, was deiner Partnerin (und dir) wichtig ist bei der Geburt, was ihr möchtet, was nicht und was nur im Notfall. Es kann zum Beispiel sein, dass die werdende Mama bei allen Eingriffen einbezogen werden möchte. Angenommen, sie ist gerade mit einer heftigen Wehe beschäftigt und die Hebamme möchte die Fruchtblase künstlich zerplatzen lassen, dann kannst du sie darauf hinweisen und bitten, dass sie bitte zuerst mit deiner Frau darüber sprechen soll und warten soll, bis die Wehe abgeflacht ist. Natürlich gibt es Situationen, in denen schnelles Handeln gefragt ist, bei denen man zu Plan B übergehen muss. Doch gibt es eben auch viele kleine Dinge, auf die man Einfluss nehmen kann, wenn man(n) darüber Bescheid weiß. Vielleicht wollt ihr ja auch gemeinsam einen Geburtsplan schreiben, der alle Wünsche und Details enthält. (Anmerkung: was aber keine Garantie für das exakte Eintreten diesen Planes ist.)

Findet die Geburt zu Hause statt, ist – je nach Umfang der Begleitung, z.B. durch eine Hebamme und Doula eine umfassendere Aufklärung und Vorbereitung notwendig. Das geht über die verschiedenen Geburtspositionen bis hin zu dem Wissen, welche Faktoren anzeigen, dass ihr zu Plan B oder C übergehen müsst.

Falls die Geburt in einer Klinik oder Geburtshaus stattfindet gehört zur Vorbereitung auch das Tasche packen. Aber nicht nur die Mama-to-be braucht eine Kliniktasche,  sondern auch für den werdenden Papa gilt es in guter Vorbereitung die Tasche zu packen. Wasser, Snack, Zahnbürste, Wechselkleidung, Geld, … und alles was Mann sonst noch so braucht.

Funfact: Auf der Geburtsstation kann es ziemlich laut werden. Gut 115 Dezibel sagt man, was in etwa einem Rockkonzert gleicht (vielleicht doch auch die Ohropax einpacken?!). Schreiende Mütter und Babys sind halt Rockstars.

Und wenn es dann soweit ist…

… kommt es sowieso anders, du würdest gerne dein Wissen und Können unter Beweis stellen, stattdessen fühlst du dich teilweise vielleicht aber eher wie das fünfte Rad am Wagen, während sich das gesamte Geburtsteam um den Schoß deiner geliebten Frau versammelt: überflüssig, unnütz, verloren, fehl am Platz. Doch dein Moment wird kommen, an dem du ins Spiel kommst. Bis dahin ist Geduld gefragt (und ein bisschen “Ego-hintenanstellen“). Du kannst dir das vorstellen wie der Spieler, den man als Joker einsetzt, wenn es hart auf hart kommt. Du wirst gebraucht!

Klaro, du hast ja auch einen verdammt wichtigen Job! Nämlich den, dass sich die Mutter deines Kindes wohl fühlt und alles hat, was sie gerade braucht. Süßigkeiten zum Beispiel oder etwas zu trinken. Aber auch und vor allem emotionale Unterstützung oder die berühmte haltende Hand.

Tipp: Sprich dich immer auch mit dem restlichen Geburtsteam wie z.B. der Hebamme ab und natürlich mit der bald-schon-Mama selbst, denn sie weiß am besten, was sie gerade braucht. Trau dich aber, in die Initiative zu gehen und warte nicht darauf, dass du um Hilfe gebeten wirst.

Für Wohlfühlatmosphäre sorgen & für deine Frau sprechen

Dafür ist gut zu wissen, was deine Frau sich für eine Wohlfühl-Geburt an äußeren Faktoren wünscht und welche zu ihrem Wohlbefinden beitragen könnten, etc. Das kann vorher gewählte Musik sein oder ein angenehmer Raumduft, die du dann zum Einsatz bringen kannst.

Nehmen wir mal an, die Geburt findet mit Hilfe von Fachpersonal statt und deine Liebste und du habt vorab geklärt, was ihr wichtig ist, worauf das Geburtsbegleitungsteam Rücksicht nehmen soll, und so weiter. Deine Frau wird vor lauter Stöhnen vielleicht nicht mehr dazu kommen, genau das in den einzelnen Situationen mitzuteilen und dem Geburtsteam in Erinnerung zu rufen oder hat selbst gar keinen Kopf dafür. Deswegen ist es wichtig, dass du über Wünsche und Bedürfnisse Bescheid weißt und dafür einstehst. Bereite dich also innerlich darauf vor das Ruder in die Hand zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und dich für deine Frau und ihre Wünsche einzusetzen, wenn sie womöglich selbst nicht mehr in der Lage ist.

Übrigens: Fragen ist erlaubt. Nicht nur deine Liebste, sondern auch die Geburtshelfer. Beispielsweise darüber, was gerade passiert, was der Hintergrund des Eingriffes ist, wie weit die Geburt vorangeschritten ist, etc.

Das kann Sicherheit geben, wenn die Fragen nicht aus der Angst heraus entstehen, Stress und Unruhe mitschwingt und es so wirkt, als fehle es an Vertrauen gegenüber den Geburtshelfern. Das stresst nämlich nicht nur die, sondern auch deine Frau bzw. überträgt sich Unruhe und Stress auf sie, genauso wie Entspannung – Und letzteres ist für die Geburt enorm wichtig. Also gilt: entspannt bleiben und vertrauen.

Grundbedürfnisse stillen

Je nachdem, wie lange sich der Prozess zieht, braucht deine Partnerin ausreichend Nachschub an Flüssigkeit. Und vielleicht auch den ein oder anderen Snack. Am besten immer wieder anbieten und Wasser in einem geeigneten Gefäß reichen, z.B. einer Sportflasche, damit in jeder Position getrunken werden kann, sie auch mal fallen darf – die Flasche, nicht die Frau – und nichts verschüttet wird.

Damit geht auch einher, dass die Blase geleert werden muss – eine volle Blase behindert bzw. erschwert nämlich das tiefer Rutschen des Babys im Geburtskanal. Erinnere deine Liebe gerne daran auch mal Pipi zu machen.

Bring` ein bisschen Frische in den Geburtsvorgang. Vielleicht mit deiner humorvollen, lockeren und stets fürsorglichen Art, vor allem aber in dem du z.B. mal das Fenster aufmachst und Frischluft hereinlässt oder Gesicht, Stirn, Hals und Nacken mit einem feuchten Waschlappen liebevoll abwischt.

Berührungen, Massage, … und der Umgang mit Zurückweisung

Sanfte Berührungen sind immer gut: z.B. über den Fußrücken streichen, wenn sich die Zehen der werdenden Mama verkrampfen, einrollen und spreizen oder den Rücken sanft massieren.

Aber Achtung: Was gerade noch eine Wohltat war, kann im nächsten Moment mit einer Abwehrreaktion vernichtend zurückgewiesen werden. Wichtig dabei ist, sich selbst nicht zurückgewiesen zu fühlen, denn es kann schon gut sein, dass deine Liebste plötzlich gar nicht mehr so lieb und nett ist wie sonst. Nimm es nicht persönlich und erwarte keine Dankbarkeit oder Nettigkeit. Und nur nicht aufgeben, bitte! Später einen neuen Versuch wagen und Frau fragen, was ihr gerade guttun würde.

Beobachte deine Frau genau, achte auf emotionale und körperliche Veränderungen, versuche darauf einzugehen und die richtigen “Hilfsmittel” herauszufinden. Beispielsweise eine Atemtechnik oder eine Affirmation, die deine Frau vorher ausgewählt hat. Dein Job ist dann z.B., deine Partnerin immer wieder liebevoll daran zu erinnern und z.B. die kraftgebende Affirmation einbringen, wenn sie äußert, dass sie es nicht glaubt noch länger zu schaffen.

Im Geburtsvorbereitungskurs lernst du u.a. wie du durch Massage deine Frau entlasten kannst, wann welche Massagetechnik angebracht ist (Wehe oder Wehen-Pause) und wie du deine Liebe z.B. durch bzw. beim “Beckenschaukeln” unterstützen kannst. Da heißt es nämlich: Ran an die Hüfte und das Becken sanft kreisend im Takt der Wehe bewegen.

Die Hand halten – DU bist die emotionale Stütze

Einfach “nur” da sein. So banal das auch klingen mag, das alleine kann schon unglaublich helfen. Keine Ratschläge, kein Kommentieren. Da Sein. Nähe geben. In den Arm nehmen und halten. Ein Gefühl von “alles ist gut” und “alles darf sein” vermitteln. Sicherheit geben. Geborgenheit schenken. Du kannst dich z.B. auch als flexible, lebende Lehne hinter deine Frau setzen und ihr so den Rücken stärken – im doppelten Sinne.

Es läuft immer gleich ab und doch jedes mal anders. Bleibe offen für den jeweiligen Moment und all das, was dieser bereit hält. Bleibe feinfühlig für die Bedürfnisse deiner Frau, denn die werden sich ständig verändern und jeder Schema-F-Plan führt höchstens zu Frustration oder ins Nichts. Empathie, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität ist gefragt, genauso wie Ruhe, Geduld, Verständnis und Vertrauen – auch in dich selbst.

Starke Männer zeigen Schwäche

Auch du leistest harte Arbeit, bist lange auf denen Beinen, während du deiner Frau auf emotionaler, psychischer und physischer Ebene zur Seite stehst. Daher ist es wichtig, dich selbst nicht zu vergessen und auch bei dir für ausreichend Flüssigkeitszufuhr, Nahrung und Pausen zu achten. Schließlich willst du ja bestimmt nicht zu den Männern gehören, die am Ort des Geburts-Geschehens aus den Latschen kippen, oder? Wenn ihr eine Doula in eurem Geburtsteam habt, kann sie zum Beispiel nahe bei deiner Frau bleiben, wenn du mal kurz frische Luft schnappen musst.

Und zum Schluss möchte ich noch kurz sagen: der Schmerz, den du bei der Geburt empfindest, ist genauso real wie der deiner Frau – nur anders, er darf sein und hat mal so gar nichts mit Schwäche zu tun.(!) Ganz im Gegenteil: Wenn du deinen Schmerz annimmst, dann bist du nicht damit beschäftigt ihn zu bekämpfen, sondern kannst dich voll und ganz mit voller Kraft und noch mehr Empathie den Menschen widmen, die dich jetzt brauchen: dein Baby und die Frau, die es zur Welt bringt.

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