Breadcrumb

Hypnobirthing – Die natürliche Geburt

artikel
artikel
Von Teresa / 17. September 2018
Was ist HypnoBirthing

Hypnobirthing – die natürliche Geburt

Was ist HypnoBirthing? Dieses Thema bekommt in letzter Zeit immer mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung. Auch Promi Herzogin Kate soll mit dieser Methode die britischen Thronfolger zur Welt gebracht haben.

Aber was steckt nun eigentlich genau hinter HypnoBirthing?

Für die ein oder andere mag die Philosophie etwas esoterisch klingen, manche verbinden den Begriff vielleicht mit “schmerzfreier Geburt” und denken, dass diese ja eh nicht möglich sei und so landet HypnoBirthing in einer Schublade und kommt dort auch so schnell nicht mehr raus.

Schade eigentlich, denn die Methode ist ein guter Weg, sich auf eine Geburt vorzubereiten und sich mit der eigenen Fähigkeit und der Natur der Geburt zu befassen. HypnoBirthing kann helfen, Ängste und Spannungen zu lösen und hat das Potential, eine natürliche, sanfte und schmerzfreie Geburt zu ermöglichen – Garantie dafür ist es allerdings keine. Trotzdem lohnt es sich, sich einmal mit der Philosophie und den Methoden auseinander zu setzen. Du lernst deinen Körper besser kennen und verstehen, und auch, die wahre Kompetenz des weiblichen Körpers während Schwangerschaft und Geburt anzuerkennen.

Wie funktioniert HypnoBirthing?

HypnoBirthing ist so viel mehr als Selbsthypnose und Visualisierung. Es ist eine wundervolle Methode, um mit mehr Selbstvertrauen, Gelassenheit und Vorfreude in die Geburt zu gehen. Das Schöne an der Auseinandersetzung mit diesen Themen ist doch sowieso, dass du neugierig und offen bist, mehr über die Aufgabe zu erfahren, ein Kind auf die Welt zu bekommen – eine der größten Herausforderungen und Veränderungen im Leben.

Was ist das Ziel von HypnoBirthing?

HypnoBirthing möchte Frauen helfen, dass sie wieder Vertrauen in die Natur und in sich selbst setzen. Mit dem „Vertrauen in die Natur“ meine ich das Vertrauen in den weiblichen Körper und den natürlichen Geburtsvorgang. In der Geburt offenbart sich die Natur und die großartige Kraft des Lebens. Die Geburt ist Teil der Natur und HypnoBirthing findet quasi im Einklang mit der Natur (der Frau) statt. Der Grundsatz besagt, dass „Geburt für Frauen eine normale, natürliche und gesunde Tätigkeit ist“. Den Frauen wird eine enorme Selbstbefähigung zugesprochen und sie sollen ermutigt werden, in ihr instinktives Wissen zu vertrauen. Unser Körper weiß, wie er empfängt und das Kind im Mutterleib optimal versorgt. Warum aber vertrauen wir ihm nicht, wenn es um die Geburt geht? Die werdende Mutter soll demnach ermutigt werden, das in ihr vorhandene Wissen ihres Körpers einzubeziehen und mit ihrem Körper zu arbeiten – nicht gegen ihn.

Hypnobirthing – Ursprung und Erklärung

Übersetzt man den Begriff Hypnobirthing bedeutet es so viel wie “Geburtshypnose” oder “Hypnose-Geburt” und steht für eine Geburtsvorbereitung mit Hypnose- und Mentaltechniken.

HypnoBirthing ist eine natürliche Methode, die Frauen Entspannungs-, Meditations- und Visualisierungstechniken an die Hand gibt, durch welche der Teufelskreis von Angst und Schmerz vermieden werden soll. Frauen lernen die Aufgaben des Körpers bei der Geburt kennen. Sie lernen den Einfluss von Gedanken und wie sie diese positiv nutzen können. Hypnobirthing ist aber nicht nur eine Sammlung von Techniken, sondern möchte Frauen aufklären und umfassend vorbereiten – sowohl durch Wissen wie z.B. über die Physiologie der Geburt, als auch durch Stärkung des Selbstvertrauens, dem Erlernen von Strategien bei Schmerzen und wie sie MIT ihrem Körper arbeiten können.

Die Ursprünge der Geburtsmethode „Hypnobirthing“ beruhen auf den Erkenntnissen von Dr. Grantly Dick-Read, ein englischer Gynäkologe, der heute als Vater der natürlichen Geburt angesehen wird. Sein Buch “Mutter werden ohne Schmerz” ist auch eine der Grundlagen des HypnoBirthing.

  • Dr. Grantly Dick-Read beobachtete, wie manche Frauen ihre Kinder natürlich und sicher zur Welt brachten und andere wiederum unter äußerst schmerzhaften Geburten litten.
  • Er wollte verstehen, warum das so ist und forschte weiter.
  • Folgende These stellte er auf: Frauen, die Schmerzen erwarten und Angst davor haben, können sich nicht entspannen. Eine Art Teufelskreis entsteht.

Durch Angst vor der Geburt entsteht Anspannung. Diese hemmt den natürlichen Geburtsvorgang und verursacht in Folge zusätzliche Schmerzen. Schmerzen bestärken die Angst und so geht der Teufelskreis immer weiter. Man spricht vom sogenannten Angst-Spannung-Schmerz-Syndrom (Fear-Tension-Pain-Syndrom).

Nach Dr. Dick-Reads sind Angst und Unwissenheit die schlimmsten Feinde der natürlichen Entbindung. Frauen sollten nicht als hilfloses Opfer passiv in ein für sie unbekanntes Geschehen hineinstolpern. Vielmehr sollen sie selbst aktiv “arbeiten” und zwar in allen Phasen der Geburt. Dazu bedarf es, die Natur zu verstehen und sie zu nutzen, statt voller Angst in Widerstand zu sein und somit dem natürlichen Vorgang im Weg zu stehen. Er entwickelte Methoden und Techniken, die noch heute angewandt und in u.a. Geburtsvorbereitungskursen vermittelt werden.

Marie F. Mongan griff seine Erkenntnisse und Methoden auf und entwickelte sie weiter. Daraus entstand das Konzept des Hypnobirthings. Ihr Buch “HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt.” ist heute ein Bestseller und das Konzept verbreitet sich immer weiter.

HypnoBirthing legt Wert auf die Eigenermächtigung der Frau. Auch, wenn Wissen vermittelt wird geht man in der Philosophie des HypnoBirthings davon aus, dass Frauen nicht lernen müssen, wie sie ein Baby auf die Welt bringen, denn der Körper weiß, was zu tun ist. Es geht also vielmehr darum, einen Zugang zu diesem Wissen zu ermöglichen und zu vertrauen. Die ursprüngliche Kraft, die in jeder Frau angelegt ist, soll wieder entdeckt und gestärkt werden.

Selbsthypnose

Hypnose ist ein natürlich hervorgerufener Zustand der entspannten Konzentration. Letztendlich bedeutet das, dass die Aufmerksamkeit bewusst gelenkt und auf einen bestimmten Bereich der Wahrnehmung fokussiert wird. Quasi so, als würde man bei einer Kamera den Fokus scharf stellen und die Umgebung um diesen Punkt herum verschwimmt. Es geht darum wahrzunehmen und die Wahrnehmung bewusst zu lenken und einen hypnotischen Trance-Zustand zu erzeugen.

Dieser ist übrigens kein Hokus-Pokus, sondern etwas, dass wohl jeder Mensch in gewisser Art und Weise kennt, zum Beispiel, wenn du so in etwas vertieft bist, dass du alles um dich herum vergisst. Wir alle erleben Trancezustände und diese sollen durch konkrete Techniken und Methoden bewusst herbeiführbar gemacht werden. Zu diesen gehören Atem- und Entspannungstechniken, Visualisierungen, Affirmationen, sog. Anker-Übungen und die Arbeit mit dem Unbewusstsein.

Bei der Geburt soll sie den Angst-Spannung-Schmerz-Kreislaufes durchbrechen, in dem sich die werdende Mama durch die Mentaltechniken in einen entspannten Zustand bringt, was sich wiederum positiv auf den Körper und das Schmerzempfinden auswirkt. Außerdem kann so der Geburtsvorgang unter optimalen Bedingungen ablaufen.

Für alle Skeptiker: Dass (Selbst-)Hypnose wirkt, zeigen zahlreiche Studien und Untersuchungen. Mit bildgebenden Verfahren kann nachgewiesen werden, dass Hypnose beobachtbare Effekte in bestimmten Gehirnregionen bewirkt und inzwischen ist sie auch eine anerkannte wissenschaftliche Methode, die z.B. auch in Bereichen der Human- und Zahnmedizin zum Einsatz kommt.

Visualisierung und positive Autosuggestionen

HypnoBirthing nutzt die Kraft der eigenen Gedanken, um Ängste in Vertrauen zu verwandeln und bewusst positive innere Bilder und Gefühle zu erzeugen, die dem Körper helfen und seine natürliche Fähigkeit zu gebären verstärken

Es mag sich vielleicht schon zu einfach oder aber befremdlich anhören, dass durch positives Denken und Entspannung das Angst-Spannung-Schmerz-Syndroms vermieden werden kann und die Geburt positiv beeinflusst wird, doch sind derartige Methoden sowohl wirkungsvoll, als auch eben leider oftmals unterschätzt. Viele Studien, wie zum Beispiel von Dr. Bruce Lipton, belegen den Einfluss des Geistes auf zelluläre Veränderung in den Geweben und zeigen somit klar den Zusammenhang von Gedanken und körperlichen Zuständen.

Dieses Wissen ist beim HypnoBirthing ein grundlegendes Fundament, auf dem verschiedene Techniken und Methoden beruhen. Zum Beispiel wird bewusst darauf geachtet, welche Begriffe im Sprachgebrauch oft negativ behaftet sind und diese dann durch positive ersetzt. Man spricht beispielsweise von “Wellen“ statt von “Wehen”. Bei “Wehen” denken viele Frauen nämlich schon automatisch an Schmerz, eine Welle wiederum liefert ein gutes Bild: sie kommt und sie geht, sich bäumt sich auf und ebbt wieder ab – wir können uns ihrem natürlichen Lauf hingeben, uns von ihr tragen lassen und ihre Kraft nutzen, statt in Widerstand mit ihr zu sein und gegen sie anzukämpfen. Auch “Schmerz” wird genauer definiert und mit einem Gefühl beschrieben, z.B. “Druck”, “Ziehen” oder ähnliches.

HypnoBirthing und Visualisierungen

Auch kommen Visualisierungsmethoden zum Einsatz. Zum Beispiel stellt Frau sich vor dem inneren Auge den Gebärmutterhals als Gewinde aus Seidenbändern vor, welches während der Geburt sanft auseinander gleitet. Viele nehmen für den Muttermund auch das Bild von einer Blume, die sich öffnet.

Zum HypnoBirthing gehört nicht nur das Erlernen von Übungen und Techniken, sondern auch, eigene Blockaden, Ängste und hemmende Gedankenmuster zu erkennen und diese aufzulösen bzw. durch Vertrauen und Wohlbefinden zu ersetzen. Es wird darauf eingegangen, warum die Verarbeitung von Sorgen, Ängsten und Zweifeln wichtig ist und wie du mit ihnen förderlich umgehen kannst.

Kurz gesagt ist HypnoBirthing ein ganzheitliches Programm für die Schwangerschaft und Geburt. Die Grundlagen, Methoden und Techniken kannst du in speziellen Kursen lernen.

Hypnobirthing-Kurse

Die HypnoBirthing-Kurse dauern in der Regel insgesamt 12 Stunden, verteilt auf 4 oder 5 Kurseinheiten. Es gibt auch kürzere Einführungskurse.

Du erhältst u.a. Informationen darüber,

  • was HypnoBirthing ist
  • wie es dir hilft, dich auf die Geburt vorzubereiten
  • wie Ängste und Zweifel die Geburt beeinflussen
  • Wissenswertes rund um den Geburtsvorgang und die Physiologie der Frau
  • wie du den Geburtsvorgang positiv beeinflussen kannst
  • wie du mit Schmerzen umgehen kannst
  • was es mit einer selbstbestimmten Geburt auf sich hat

Du lernst verschiedene Techniken, wie z.B.:

  • Entspannungs- und Selbsthypnosetechniken
  • Atemübungen für Schwangerschaft und Geburt
  • Visualisierungstechniken
  • Autosuggestionen

Ungefähr ab dem ersten Trimester, also ab der 15. Schwangerschaftswoche, kann die Teilnahme an einem Kurs stattfinden. Es macht Sinn, schon frühzeitig zu beginnen, denn so bleibt Zeit um die Techniken zu lernen, zu vertiefen und regelmäßig zu üben, damit bei der Geburt der Zugang zu den Übungen leichter gelingt und der Körper schneller in den gewünschten Zustand gebracht wird.

Die Kosten werden von der Krankenkasse in der Regel nicht getragen und liegen im Schnitt bei ca. 250- 500 Euro. Teilweise sind aber Zuschüsse möglich, daher erkundige dich am Besten bei deiner Krankenkasse.

Gut ist auch, wenn der Partner oder geburtsbegleitende Person auch am Kurs teilnimmt, denn in der Philosophie des HypnoBirthings wird dem eine große Bedeutung zugeschrieben. Übrigens hat Dick-Read damals auch zum ersten Mal die unterstützende Rolle des Vaters bei der Geburt berücksichtigt. Er scheint der beste “Hypnotherapeut” zu sein und kann ein guter Anker für die gebärende Frau sein. Warum also nicht Techniken zusammen lernen und damit gleichzeitig die Beziehung vertiefen?

Fazit

Ich persönlich finde das Konzept, die Philosophie und Methoden von einer Geburt mit HypnoBirthing großartig. Schwierig ist in meinen Augen allerdings, wenn vermittelt wird, dass es nicht normal ist, Angst zu haben. Ich würde mal behaupten, dass jede Frau vor und während der Geburt Momente der Angst erlebt. Falsch wäre, sich deswegen falsch oder schuldig zu fühlen.

Wichtig ist aber auch zu verstehen, was Angst mit uns macht, wie sie auf körperlicher, emotionaler und psychischer Ebene auf uns wirkt und dadurch die Geburt beeinflusst. Daher ist es sinnvoll, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und auch Tools zu lernen, mit eventueller Angst umzugehen und bewusst Entspannung herbeizuführen.  

Mach dir selbst nicht zu viel Druck

Also, keine zu hohen, realistischen Erwartungen stecken, denn das macht auch Druck und führt oft nicht nur zu Enttäuschungen über HypnoBirthing, sondern leider manchmal auch von sich selbst: “Ich hatte Angst, deswegen ist die Geburt nicht so verlaufen wie gewünscht.”, “Ich habe versagt.” oder “Ich bin Schuld”. Solche Gedanken sind absolut nicht Ziel und Zweck des HypnoBirthings.

Flexibel bleiben hilft, denn ein zu starres Bild von der perfekten Geburt kann sich negativ auf die Fähigkeit auswirken, flexibel mit den tatsächlichen Gegebenheiten umzugehen.

Letztendlich bringt HypnoBirthing aber so viel Potential mit sich. Es ist ein ganzheitliches Konzept, das – wenn richtig integriert – eine wunderbare Möglichkeit zur Vorbereitung auf die Geburt, den Umgang mit Ängsten, Schmerzen und Herausforderungen ist und eine natürliche, sanfte Geburt unterstützt. Es ermutigt eine selbstbestimmte Geburt und möchte das Vertrauen in die eigene Kompetenz als Frau stärken – und die, ist in jeder von uns vorhanden.

Hier klicken, um einen Kommentar zu verfassen

Einen Kommentar schreiben:


Affirmationen & Visualisierung
Jetzt den nächsten Artikel lesen! Affirmationen & Visualisierung